Eine Bibliothek hat für mich etwas zutiefst Verlockendes: dieser Gedanke, dass hinter jedem Buchrücken ein neues Territorium wartet, das ich noch nicht kenne. Das sind unfassbar viele Türen, die ich öffnen kann. Und die Gewissheit, dass ich damit nie wirklich fertig sein werde.
Liebe zum Lernen klingt vielleicht erstmal nach Schule, nach Pflicht. Aber darum geht es bei dieser Charakterstärke überhaupt nicht. Ryan Niemiec beschreibt sie als die Fähigkeit und den tiefen Wunsch, sich neue Themen und Fähigkeiten anzueignen und das eigene Wissen systematisch zu vertiefen und zu erweitern. Sie geht dabei über bloße Neugier hinaus: Neugier öffnet die Tür zu einem neuen Raum. Die Liebe zum Lernen geht hindurch, bleibt dort und macht diesen Raum zu ihrem Zuhause.
Der Name „Forschergeist“, den diese Stärke ebenfalls trägt, bringt ihr Wesen für mich sehr gut auf den Punkt: Es geht um Tiefer- und Weitergehen, darum, einer Sache wirklich auf den Grund zu gehen.
Diese Stärke ist eine meiner Signaturstärken, und ich merke das vor allem daran, wie sich Lernen für mich anfühlt. Wie ein stilles Abenteuer, dem ich nachgehen möchte. Wenn ich an einem Abend lieber lese oder einem Thema nachspüre, als irgendwo dabei zu sein, dann ist mein Gedanke dazu nie „Ich kann leider nicht“. Ich freue mich auf die Zeit allein mit den Büchern, dem Rechner und dem Notizblock. Es macht mir sehr viel Freude, meinem Forschergeist diesen Raum zu geben.
Und ich finde nicht alles spannend. Das ist mir wichtig zu sagen, weil Liebe zum Lernen manchmal so klingt, als würde man jeden Wissensbereich gleichermaßen verschlingen. Das tue ich nicht; es gibt viele Themen, die mich schlicht nicht interessieren. Aber wenn mich etwas packt, dann richtig.
Meine Liebe zum Lernen einzusetzen bedeutet für mich auch keinen Rückzug in den Elfenbeinturm. Was ich lerne und entdecke, möchte ich sehr gern weitergeben. Diesen Wunsch verwirkliche ich auch in meiner Arbeit: Was mich in Beratungen und Coachings am meisten begeistert, ist der Moment, in dem bei meinem Gegenüber eine neue Erkenntnis Einzug hält, wenn sich etwas öffnet, weitet, verschiebt – und der Wunsch entsteht, sich selbst besser und tiefer zu verstehen. Das kann der Moment sein, in dem Menschen erkennen, dass die Eigenschaft, sie bislang immer für selbstverständlich und „nicht der Rede wert“ gehalten haben, eine ihrer Signaturstärken ist. Oder auch der Moment, wo in der Farbberatung deutlich wird, wie schön die Person im Spiegel eigentlich ist, wenn die Farben ihrer Kleidung nicht mehr gegen sie arbeiten, sondern für sie. Erkenntnisprozesse bei anderen Menschen anzustoßen und so die tiefere Auseinandersetzung mit sich selbst für sie zu ermöglichen ist für mich eine der schönsten Ausdrucksformen dieser Stärke.
Hast Du Lust, heute einmal innezuhalten und zu beobachten, welche Themen Dich immer wieder anziehen, in welche Bücher oder Internetseiten Du versinkst, welchen Fragen Du gern nachgehst? Vielleicht steckt genau dort Dein ganz eigener Forschergeist.